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Das Panzergrenadierbataillon 112 und das Edelweiß

Aus der Sicht eines Gebirgsjägers gehört das Edelweiß nur an seine Bergmütze, nicht ans Barett eines Panzergrenadiers. Dort stößt es bei ihm auf Unverständnis, wenn nicht gar auf Ablehnung. Er mag es als Stilbruch und als Missbrauch der Besonderheiten der Anzugsordnung betrachten, die nur Soldaten der Gebirgstruppe zustehen.

Bei der Bewertung des vermeintlichen „Stilbruchs“ aber darf die geschichtliche Entwicklung, die letztlich zur Trageerlaubnis geführt hatte, nicht außer Acht gelassen werden. Denn sie war auch eine Folge der Entwicklung der politischen Lage in Europa nach 1990 und der Umsetzung der daraus für die Bundeswehr gezogenen Konsequenzen und Strukturmaßnahmen. Dies hat ein besonderes Gewicht!

Was war und ist noch immer der Grund für das Edelweiß am grünen Barett der Soldaten des PzGenBtl 112 in REGEN? – Und – Warum soll es auch nach Abschluss der Transformation der Streitkräfte von der Verteidigung des eigenen Landes hin zur Möglichkeit  ihres weltweiten Einsatzes dabei bleiben?

 

Nachfolgend wird auch begründet, warum dies selbst aus der Sicht der Kameradschaft Bayerwald e.V. ne­ben der Traditionspflege auch zu ihrer Bestandssicherung so wichtig ist.

Zur geschichtlichen Entwicklung:

 

 

Das PzGrenBtl 112, in der Heerestruktur 4 zum JgBtl 112 umgegliedert und umgerüstet, war seit seiner Aufstellung das zweite Bataillon der PzGrenBrig/JgBrig 11 „Bayerwald“ in Bogen. Daher auch die Nummer „112“.

Als „Jägerbataillon“ bildete das Bataillon seit jeher für den Kampf im Winter und in schwierigem Berg­gelände aus. Es engagierte sich intensiv an den Wintersportarten Skilanglauf und Biathlon, wozu es in seiner Gliederung ausdrücklich in die Lage versetzt wurde (erst Sportgruppe 4/1 und Sportförder­gruppe 4/7, dann Sportfördergruppe 112).
Exzellende wintersportliche Erfolge errangen z.B. Franz Wudy, Jürgen Laschinger, Sepp Schneider.

Auch jetzt betreibt das Bataillon noch einen Skizug, der mit guten Schiläufern des Bayerischen Wal­des besetzt ist und sich ohne weiteres mit den „Edelweißträgern“ aus der Alpenregion messen kann.

Mit Auflösung der PzGrenBrig 11 „Bayerwald“ im Rahmen der Heeresstruktur 5 Anfang der 90er Jahre wurde das PzGrenBtl 112 am 01.04.1992 der PzBrig 24 „Niederbayern“ in LANDSHUT, einer „Stamm­brigade“ der 1. GebDiv unterstellt.

Damit waren die Soldaten aus REGEN faktisch nicht nur Soldaten der Niederbayern-Brigade sondern auch der 1. GebDiv, also der Gebirgstruppe. Mit dieser Eingliederung bekamen sie das Recht, das Edelweiß an ihr grünes Barett quasi als „Ausweis“ ihrer Zugehörigkeit zur Gebirgstruppe zu heften.

Bei den weiteren Maßnahmen zur Transformation wurde das PzGrenBtl 242 in MiTTERHART­HAUSEN bei Straubing, einst das zweite „Stammbataillon“ der PzBrig 24, am 01.10.1992 zum „Aufwuchsbataillon“ umgestuft und das PzGrenBtl 112 in REGEN nunmehr dafür zum „Stamm­bataillon“ der PzBrig 24 erklärt.

Daraus folgend übernahm das PzGrenBtl 112 nicht nur Personal und Material der „242er“, sondern auch deren militärische Tradition als Truppenteil der PzBrig 24 in der 1.GebDiv.

Aber bereits am 14.12.1992 informierte der damalige Divisions­kommandeur den Kommandeur der PzBrig24 darüber, dass auch seine Brigade zum 30.09.1994 aufgelöst werden solle.

Damit musste das erst kurz zuvor der PzBrig 24 „Niederbayern“ unterstellte PzGrenBtl 112 sein Unterstellungsverhältnis zur weiter bestehenden PzBrig 12 „Oberpfalz“ in Amberg erneut wech­seln.

Die Edelweiß-Trageerlaubnis blieb aber unangetastet. So ist das PzGrenBtl 112, jetzt als „Stammba­taillon“ der PzBrig 12, auch heute noch ein „Edelweiß-Truppenteil“.

Das Edelweiß ist fester Bestandteil der gelebten und gepflegten Tradition des Bataillons geworden. Seine Soldaten tragen es mit Stolz an ihrem Barett.


Weitere Aspekte:

Unserer Kameradschaft Bayerwald e.V. – vulgo „Gebirgsjägerkameradschaft Bayerwald“ – gehören neben aktiven und ehemaligen Soldaten der 1. GebDiv zu rund einem Drittel der Mitgliedschaft aktive und ehemalige Soldaten des PzGrenBtl 112 an.

Sie engagieren sich hervorragend im Vorstand und in der Vereinsarbeit und bilden auch den Hauptteil des aktiven Kerns der Kameradschaft.

Die Kameradschaft Bayerwald e.V. im Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. sieht ihre Zukunft mit der gelebten Tradition des PzGrenBtl 112 und mit dem "Edelweiß am Barett" verbunden und setzt in der Nachwuchsgewinnung auch auf die „112er“.


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Quellen: Chronik der 1. Gebirgsdivision, RMS-Verlag Wolfsheim                                                              Redaktion: Hubertus Höhn

             Erinnerungen von Oberst a.D. Horst Armann und Oberstleutnant a.D. Georg Kuhndörfer